Krankenkassen und Versicherungen


Psychotherapie als Kassenleistung

Psychotherapie wird von den gesetzlichen Krankenkassen und von den meisten privaten Krankenversicherungen bezahlt. Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten für die folgenden drei Verfahren, die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die psychoanalytische Psychotherapie; für andere Therapieverfahren werden die Kosten nur in Ausnahmefällen übernommen, über die mit den Kassen verhandelt werden muss. Diese Ausnahmen dürfen nach den einschlägigen Bestimmungen nur dann eintreten, wenn ein Versorgungsmangel vorliegt.

Psychotherapie ist ausschließlich dann eine Kassenleistung, wenn sie psychische Krankheiten heilt oder bessert. Die Kassen bestehen immer nachhaltiger auf diesem Punkt. Psychotherapie ist keine Leistung, die von den Krankenkassen übernommen wird, wenn sie überwiegend hilft Lebensprobleme zu lösen und / oder zu mehr Lebensglück führt. Eheprobleme oder Beziehungsschwierigkeiten beispielsweise sind keine Krankheiten und damit keine Leistungsfälle für die Krankenkassen.

Wie kommen Sie zu einem Erstgespräch?

Einfach bei mir anrufen. Auf Grund des Psychotherapeutengesetzes haben Patienten das Recht, eine PsychotherapeutIn ihrer Wahl direkt aufzusuchen. Dazu bedarf es keiner Überweisung durch einen Arzt und keiner Genehmigung durch die Krankenkasse. Ein Erstgespräch hat keine Formalitäten.

Was sind Probesitzungen?

Vor der eigentlichen Behandlung finden die sogenannten "probatorischen Sitzungen" statt. Das Erstgespräch zählt dazu. In diesen Sitzungen werden die zu behandelnden Probleme herausgearbeitet und eine Vertrauensbasis geschaffen für eine gute Zusammenarbeit zwischen TherapeutIn und PatientIn. Die probatorischen Sitzungen müssen nicht genehmigt werden und sind daher auch nicht bei Ihrer Kasse zu beantragen; sie sind antragsfrei. Die daran anschließenden Behandlungsstunden müssen jedoch bei der Krankenkasse beantragt und von ihr bewilligt werden.

Praxisgebühr

Nach dem Gesundheitsreformgesetz haben Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen ab dem 01.01.04 in jedem Quartal eine Gebühr vom 10.- Euro zu entrichten ist, wenn die erste kassenärztliche Leistung in Anspruch genommen wird. Das gilt auch für die Psychotherapie. Bitte bringen Sie daher bei Ihrem ersten Besuch im Quartal einen 10 Euro Schein oder eine ärztliche Überweisung mit. Bis auf weiteres gilt die Regelung, dass die Quittung der PsychotherapeutIn Sie von einer nochmaligen Zahlung beim Haus- oder Facharzt befreit.

Genehmigung

Die von den Kassen (und auch die von den Versicherungen) finanzierte Psychotherapie ist grundsätzlich genehmigungs- und begutachtungspflichtig. Der Antragsweg führt von der psychotherapeutischen Praxis, in der die Behandlung durchgeführt werden soll, zu Ihrer Krankenkasse. Sie brauchen sich vor den Probesitzungen nicht darum zu kümmern, von Sonderfällen abgesehen. Die erteilte Behandlungsbewilligung gilt prinzipiell für den beantragenden Therapeuten und ist nur in Ausnahmefällen und dann mit ziemlichen Aufwand übertragbar. 

Auf Grund meiner langjährigen Tätigkeit wird die erstmalige Behandlung von 25 Sitzungen von den gesetzlichen Kassen umgehend und reibungslos genehmigt. Für längere Therapien gibt es schon seit Jahren ein anonymes Gutachterverfahren, das von jedem kassenzugelassenen Psychotherapeuten umfangreiche schriftliche Begründungen erfordert.

Private Versicherungen

Fast alle privaten Krankenversicherungen erstatten die Kosten für Psychotherapie, dabei sind aber die Bewilligungsverfahren und die genehmigten Stundenzahlen recht unterschiedlich. Viele Versicherer genehmigen relativ formlos 30 Behandlungen pro Jahr, doch das gilt nicht generell. Eine Erkundigung bei der Versicherung ist in jedem Fall empfehlenswert, um Überraschungen vorzubeugen.

Beihilfe

Die Beihilfe übernimmt die Behandlungskosten. Bei Anspruch auf "Beihilfe" ist ein schriftliches, anonymes Begutachtungsverfahren unerlässlich; es wird nach den probatorischen Sitzungen durchgeführt. Auf Anfrage sendet die Beihilfestelle die Unterlagen zur Antragstellung zu. Seit dem 24.06.2000 ist die Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP) in Kraft, auf deren Basis die Beihilfe nun zum vollen Gebührensatz erstattet.

Was tun nach vorzeitig beendeter Behandlung oder nach Behandlungsabbbruch?

Angenommen, Sie überlegen sich eine Psychotherapie erneut zu beginnen, hatten aber innerhalb der beiden letzten Jahre schon einmal eine kassengenehmigte ambulante Behandlung oder haben diese abgebrochen. In diesem Fall beachten Sie bitte unbedingt, dass eine Neubewillligung durch die Krankenkasse erst nach zwei Jahren erfolgt. Innerhalb einer Frist von zwei Jahren, vom Ende der letzten Behandlung an, wird jeder Antrag auf Genehmigung einer Psychotherapie grundsätzlich als Fortsetzung der alten Behandlung gewertet. Diese Regelung gilt bundesweit und es spielt auch keine Rolle, ob ein Psychologe oder ein Arzt zu einer erneuten oder weiteren ambulanten Psychotherapie geraten hat. Die Krankenkasse hat jedoch einen Entscheidungsspielraum, sie kann sozusagen den Zähler auf Null stellen. Dies ist aber nur ausnahmsweise zu erwarten, weil seit 01.10.01 die Einleitung des Gutachterverfahrens verlangt werden kann. In den Psychotherapievereinbarungen heisst es hierzu:
  • Eine Krankenkasse kann "grundsätzlich jeden Antrag einem Gutachter zur Prüfung übergeben, sofern sie dies für erforderlich hält." ( §13 Abs.4 ) D.h. die Kassen können ( sie müssen aber nicht ) bei jedem Antrag verlangen, dass er ausführlich schriftlich begründet wird. Die Kassen haben damit ein Mittel in der Hand, Behandlungen einzuschränken, wenn sie dies für erforderlich halten.
  • "Der die Psychotherapie ausführende Therapeut unterrichtet die Krankenkasse unverzüglich über Beendigung oder Abbruch einer Behandlung." ( §13 Abs.2).
Die Entscheidung darüber, ob und auf welche Weise es zu einer Neu- oder Weiterbewilligung kommt liegt einzig und allein bei Ihrer Krankenkasse. Bitte setzen Sie sich mit Ihrer Kasse in Verbindung, um gegebenenfalls diese Angelegenheit zu klären, bevor Sie bei mir wegen einer Weiterbehandlung nachfragen. 

Allerdings muss klar gesagt werden, dass die Auskünfte von Krankenkassen über Genehmigungen und Wiedergenehmigungen von Psychotherapien oft ziemlich schwammig sind, was nicht ganz zufällig so ist: Die Spitzen der Kassen versuchen die Ausgaben zu drosseln, die Sachbearbeiter an der Basis müssen aber die Mitglieder bei der Stange halten. Daher hört man hin und wieder folgende Auskunft: "Es ist alles ganz einfach, der Therapeut braucht nur einen Antrag zu schreiben ..." Sie sollte sich mit einer solchen Auskunft nicht zufrieden geben, sondern genauer nachzufragen, ob ein Gutachterverfahren eingeleitet werden wird oder nicht.